Sommersemester 2026: Über 150 Studierende, fünf Lehrveranstaltungen – und warum gute Lehre manchmal unbequem sein muss

Das Sommersemester 2026 liegt hinter mir – Zeit für einen kleinen Rückblick:

In den vergangenen Monaten durfte ich an der Technischen Hochschule Nürnberg wieder fünf sehr unterschiedliche Lehrveranstaltungen an drei Fakultäten begleiten – von Kommunikations- und Medientheorie über Medienkonzeption bis hin zu verschiedenen journalistischen Praxisveranstaltungen. Insgesamt habe ich dabei mehr als 150 Studierende betreut und bewertet.

Gerade diese Mischung macht den Reiz der Hochschullehre aus. Theorie und Praxis gehören für mich untrennbar zusammen. Wer Kommunikations- oder Medienberufe erlernen möchte, braucht wissenschaftliche Grundlagen ebenso wie die Möglichkeit, Projekte unter realistischen Bedingungen umzusetzen und dabei auch Fehler machen zu dürfen.

Lernen beginnt oft dort, wo es unbequem wird

Ein Gedanke hat mich durch das gesamte Semester begleitet: Wirklicher Lernfortschritt entsteht häufig genau dann, wenn Aufgaben zunächst schwierig erscheinen.

Das zeigte sich besonders in den projektorientierten Lehrveranstaltungen. Einige Studierende beschrieben in den Evaluationen und den anschließenden Feedbackgesprächen, dass sie sich anfangs unsicher fühlten oder den Arbeitsaufwand als hoch empfanden. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass gerade diese intensive Arbeitsphase häufig als besonders lehrreich erlebt wurde.

Ich halte das für einen wichtigen Aspekt von Hochschullehre. Studierende sollen selbstverständlich nicht überfordert werden – aber sie sollten durchaus erleben, dass anspruchsvolle Aufgaben, Zeitdruck und eigenverantwortliches Arbeiten zum späteren Berufsalltag gehören. Die Hochschule bietet dabei den geschützten Rahmen, in dem man genau das ausprobieren und reflektieren kann.

Journalismus lernt man nicht nur aus Büchern

Ein Schwerpunkt meiner Lehrveranstaltungen lag erneut auf journalistischen Produktionsprozessen.

Von der Themenentwicklung über Recherche und Interviewführung bis hin zur Produktion audiovisueller Beiträge standen viele praktische Übungen auf dem Programm. Besonders wichtig ist mir dabei, dass die Studierenden nicht erst am Ende einer Veranstaltung erfahren, was gut oder weniger gut gelungen ist.

Deshalb versuche ich, während laufender Projekte möglichst zeitnah individuelles Feedback zu geben. Dass dieser Ansatz geschätzt wird, zeigte sich erfreulicherweise auch in den Lehrveranstaltungsevaluationen, in denen die schnelle und persönliche Rückmeldung mehrfach positiv hervorgehoben wurde.

Die Evaluationen haben aber ebenso konkrete Hinweise geliefert, wie sich einzelne Lehrveranstaltungen weiter verbessern lassen. Für die videojournalistischen Veranstaltungen entsteht deshalb derzeit beispielsweise ein neues, bewusst kompakt gehaltenes Kurzhandout zur Produktion von Magazinbeiträgen, das den Studierenden künftig den Einstieg erleichtern soll.

KI verändert weiterhin die Medienausbildung

Natürlich spielte auch Künstliche Intelligenz wieder eine wichtige Rolle.

Dabei geht es mir allerdings weniger darum, einzelne Werkzeuge vorzustellen oder kurzfristigen Trends hinterherzulaufen. Viel interessanter finde ich die Frage, wie sich journalistische und kommunikative Arbeitsprozesse dauerhaft verändern und welche Kompetenzen Studierende künftig benötigen.

KI kann Recherche unterstützen, Ideen strukturieren, Texte analysieren oder Produktionsprozesse beschleunigen. Gleichzeitig verändert sie die Anforderungen an Medienkompetenz, Quellenkritik und ethische Verantwortung. Diese Entwicklungen fließen inzwischen ganz selbstverständlich in viele meiner Lehrveranstaltungen ein.

Zusammenarbeit über die Hochschule hinaus

Ein Highlight des Semesters war ein neues Kooperationsprojekt mit der Stadt Nürnberg. Gemeinsam mit Studierenden arbeiten wir derzeit an einem Projekt, über das ich gegen Ende des Jahres voraussichtlich mehr berichten kann.

Solche Kooperationen ermöglichen es Studierenden, bereits während ihres Studiums an realen Kommunikationsprojekten mitzuwirken und Erfahrungen zu sammeln, die weit über klassische Projektarbeiten hinausgehen.

Lehre endet nicht mit der Vorlesung

Zur Arbeit eines Lehrbeauftragten gehören weit mehr Aufgaben als die eigentlichen Lehrveranstaltungen.

Im vergangenen Semester durfte ich u.a. die Begutachtung einer Masterarbeit übernehmen. Solche wissenschaftlichen Arbeiten begleiten zu dürfen, empfinde ich als spannende Ergänzung der Lehre. Sie eröffnen Einblicke in aktuelle Forschungsfragen und ermöglichen intensive fachliche Diskussionen mit den Studierenden.

Ebenso wichtig sind für mich die regelmäßigen Lehrveranstaltungsevaluationen. Auch wenn sich – wie an vielen Hochschulen – trotz mehrfacher Erinnerungen leider nur ein Teil der Studierenden an den Befragungen beteiligt hat, liefern die Rückmeldungen wertvolle Hinweise für die Weiterentwicklung der Lehre. Die Ergebnisse wurden in allen Lehrveranstaltungen gemeinsam mit den Studierenden besprochen und fließen bereits in die Planung des kommenden Semesters ein.

Danke!

Mein Dank gilt allen Studierenden, die sich engagiert eingebracht, kritisch nachgefragt und konstruktives Feedback gegeben haben.

Ebenso danke ich meinen Kolleginnen und Kollegen an der Technischen Hochschule Nürnberg sowie den externen Projektpartnern für die angenehme Zusammenarbeit.

Nun beginnt zunächst die Zeit der Korrekturen, Abschlussarbeiten und der Vorbereitung auf das Wintersemester. Ich freue mich schon darauf, bekannte Gesichter wiederzusehen und neue Studierende kennenzulernen – mit frischen Ideen, neuen Projekten und sicherlich auch der einen oder anderen Herausforderung.

Denn genau das macht Hochschullehre für mich aus: Sie bleibt in Bewegung.